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Düstere Zukunftswelt: «What Happened To Monday?»

Rattenfleisch als Abendbrot

What Happened To Monday?
Geschrieben am 9. Oktober 2017

Köln (dpa) - Es gibt unterschiedliche Wege, in die Zukunft der Menschheit zu schauen. Die eine ist das penible Durchrechnen, so wie es die Vereinten Nationen machen. Ergebnis: Bis 2050 werden wohl 9,8 Milliarden Menschen auf dem Planeten leben, deutlich mehr als heute.

Die andere Methode ist, diese Zukunft mit saftigen Spezialeffekten einfach mal auszumalen: brechend volle Straßen, dauerlärmende Megastädte, Rattenfleisch als Abendbrot, weil sich zu viele Menschen um zu wenige Lebensmittel streiten. Und mittendrin die Schauspielerin Noomi Rapace (37) in der Rolle von Siebenlingen, die gejagt werden, weil sieben Schwestern in so einer Welt sechs zu viel sind. So zeigt es der Science-Fiction-Film «What Happened To Monday?».

Das Popcornkino-Spektakel, das irgendwo im langen Fahrwasser von «Blade Runner» zu verorten ist, entwirft eine Welt im Jahr 2073. Wegen der völligen Überbevölkerung des Planeten hat sich eine Regierungsbehörde zur Aufgabe gemacht, eine rigorose Ein-Kind-Politik durchzudrücken. Werden Geschwister geboren, sammeln grimmige Beamte den Nachwuchs ein. Das vermeintlich humane Versprechen: Die Kinder werden eingefroren und erst dann wieder aufgetaut, wenn man das Bevölkerungs-und Ressourcen-Problem in den Griff bekommen hat.

Der Film des Norwegers Tommy Wirkola stellt damit eine eigentlich nachdenkliche Grundfrage: Welche sozialen Auswirkungen wird das Bevölkerungswachstum haben? Doch keine Sorge: Der Regisseur, der auch das schießwütige Märchen-Action-Spektakel «Hänsel und Gretel: Hexenjäger» drehte, bittet nicht zum politologischen Grundseminar. Er findet irgendwann eine recht eigenwillige Antwort auf das Problem Überbevölkerung: Es wird ordentlich geprügelt und geballert.

Dazu passt die markante Schwedin Noomi Rapace («Millennium»-Trilogie, «Prometheus - Dunkle Zeichen») in der Hauptrolle. Wobei das ihren Job nur halb beschreibt. Rapace übernimmt gleich sieben Rollen, nämlich die aller sieben Schwestern der Settman-Familie. Denn so simpel die Grundidee von «What Happened To Monday?» zunächst sein mag, so kompliziert wird sie weitergesponnen. Da Dürren die Menschheit plagen, werden Pflanzen genmanipuliert, erklärt der Film. Das führe zu mehr Mehrlingsgeburten - so wie die der Siebenlinge Settman.

Siebenlinge sind unter der herrschenden Ein-Kind-Doktrin natürlich eine Art Verbrechen. Aber der Großvater, gespielt von Willem Dafoe, bringt die Schwestern rechtzeitig vor den staatlichen Häschern in Sicherheit. Um nicht aufzufliegen, müssen sie sich fortan alle ein einziges Leben teilen. Benannt werden sie nach den englischen Wochentagen Monday, Tuesday, Wednesday, Thursday, Friday, Saturday und Sunday. An jedem Tag der Woche darf nur eine das Haus verlassen und in die gemeinsame Identität Karen Settman schlüpfen. Das Modell scheitert erst, als eine von ihnen eines Tages nicht zurückkehrt.

Dass Mehrfachrollen nicht immer für Qualität stehen, weiß die Kino-Geschichte spätestens nach der fragwürdigen Komödie «Norbit» mit Eddie Murphy. Rapace macht ihre Sache allerdings gut, auch wenn die Siebenlinge geradezu brachial mit unterschiedlichen Charakterzügen und Klamotten ausgestattet werden, um sie unterscheiden zu können: Tuesday ist die Kifferin, Friday der Nerd, Saturday das Party-Girl.

Der Film hebt sich dennoch angenehm ab vom üblichen Action-Kino - nicht nur, weil der Plot eine interessante Wendung nimmt. Als Gegenspielerin der Settmans hat man eine Idealbesetzung gefunden: Glenn Close. Dass die es mit nahezu identisch aussehenden Protagonisten aufnehmen kann, ist bekannt - sie war schon die Pelzliebhaberin Cruella De Vil in «101 Dalmatiner».

What Happened To Monday?, Großbritannien, Frankreich 2017, 124 Min., FSK ab 16, von Tommy Wirkola, mit Noomi Rapace, Glenn Close, Willem Dafoe.

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