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Thailand nimmt Abschied von König Bhumibol

Land in Monochrom

Abschied von König Bhumibol
Geschrieben am 12. Oktober 2017

Bangkok (dpa) - Das Farbfernsehen wurde in Thailand 1969 eingeführt. König Bhumibol Adulyadej war damals schon 23 Jahre im Amt, und er würde es noch weitere 47 Jahre bleiben.

In diesen Tagen, zwölf Monate nach des Königs Tod, fühlen sich viele Ältere an die damaligen Zeiten erinnert. Das Fernsehen sendet als Zeichen der Trauer wieder in Schwarz-Weiß. Dazu tragen von den 67 Millionen Thais die meisten nur noch gedeckte Farben. Ein Land in Monochrom.

Mit dem Todestag, der sich am Freitag zum ersten Mal jährt, beginnt die letzte Phase der kollektiven Trauer. Wahrscheinlich wird der Monarch von seinen Landsleuten tatsächlich zutiefst verehrt. Höhepunkt wird dann die Einäscherung am 26. Oktober sein, eine Feier, wie sie das Land noch nie gesehen hat, zu der Staatsgäste aus aller Welt erwartet werden. Deutschland wird von Ex-Bundespräsident Christian Wulff vertreten. Alles in allem dauert die Zeremonie fünf Tage.

Als Bhumibol am Nachmittag des 13. Oktober 2016 in Bangkoks Siriraj-Krankenhaus mit 88 Jahren starb, war er dienstältestes Staatsoberhaupt der Welt. Sieben Jahrzehnte war er König. Die meisten Thais hatten nie einen anderen kennengelernt. Die Trauer war immens. Und so ähnlich ist es auch heute wieder - wobei von offizieller Seite viel dafür getan wird, dass das so bleibt.

Dazu gehört, dass jede Kritik am Königshaus durch ein sehr streng auslegbares Gesetz unterbunden wird. Diese Woche erwischte es einen 85 Jahre alten Geschichtsprofessor - nur weil er es gewagt hatte, in Zweifel zu ziehen, ob eine siegreich ausgegangene Schlacht im Jahr 1592 gegen den Nachbarn Birma tatsächlich stattfand. Wer gegen die aktuelle Königsfamilie etwas unternimmt, riskiert jahrelange Haft.

In der Hauptstadt Bangkok, wo zwischenzeitlich auch der neue König Maha Vajiralongkorn (65) sehr propagiert wurde, hängen nun wieder neue, übergroße Bhumibol-Porträts von den Häusern. In der Bahn läuft keine Werbung mehr, sondern Trauermusik. Das Fernsehen hat die meisten Unterhaltungssendungen aus dem Programm genommen. Die großen Online-Nachrichtenportale wie das der «Bangkok Post» matten die Farben ebenfalls ab.

Aber auch die Thais selbst machen mit, nicht nur durch ihre Kleidung. Auf Facebook haben viele ihr Profilbild in Schwarz-Weiß geändert. Für Feierlichkeiten, und wenn es nur ein Kindergeburtstag ist, hat derzeit kaum jemand Verständnis. Bei Ausländern wird zumindest gern gesehen, dass sie sich daran halten. Auch als die deutsche Botschaft kürzlich den 3. Oktober beging, gab es eine sehr lange Schweigeminute.

Im Großen Palast, der alten Königsresidenz, wo Urne und Sarg stehen, haben bis heute mehr als 13 Millionen Thais dem toten König die letzte Ehre erwiesen. 800 Meter weiter ragt nun ein goldener Nachbau des mythischen Bergs Meru in die Höhe, der im Buddhismus und Hinduismus Mittelpunkt des Universums ist. Hier wird Rama IX., wie Bhumibol auch genannt wurde, der neunte König der Chakri-Dynastie, in zwei Wochen eingeäschert.

Um Bhumibols Aufstieg über den Berg in den Himmel zu versinnbildlichen, haben Handwerker Hunderte Skulpturen geformt und bemalt, vor allem Götter und andere mythische Kreaturen. Aber auch die Nachbildungen seiner Lieblingshunde Tongdaeng und Jocho begleiten ihn auf dem letzten Weg. Zudem haben mehr als eine Million Thais in den vergangenen Monaten für die Zeremonie Sandelholzblüten aus Papier gefaltet. Sogar die großen Shopping-Malls boten Kurse dazu an.

Für die Einäscherung wurde ein 222 Jahre alter Holzwagen renoviert, mit dem die Leichen von Mitgliedern der Königsfamilie traditionell zum Scheiterhaufen gebracht werden. Das 13 Tonnen schwere Gefährt muss auf dem Weg vom Großen Palast zum Sanam-Luang-Platz von mehreren Hundert Soldaten geschoben werden. Seit Wochen wird dafür geübt. Der ehemalige Ständige Sekretär im Kulturministerium, Chakrarot Chitrabongs, sagt: «Das wird die größte Verbrennungszeremonie, die es in Thailand je gegeben hat.»

Allerdings wird, wenn man ehrlich ist, mit dem Wagen nur eine leere Urne transportiert: Traditionell werden die Toten der Königsfamilie in großen Urnen eingeäschert - sitzend in einer Meditationspose. Das soll der Seele helfen, in den Himmel zu kommen. Bhumibol entschied sich jedoch als erster thailändischer König überhaupt für einen Sarg. Darin liegt er derzeit noch, darin wird er am Donnerstagabend übernächster Woche auch verbrannt.

Am Morgen danach löscht der neue König Maha Vajiralongkorn dann mit «heiligem Wasser» die Glut. Die Asche seines Vaters wird eingesammelt. In einer Urne kommen Bhumibols Überreste dann zurück in den Großen Palast.


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