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Mord im Reservat: «Wind River» mit Jeremy Renner

Thriller

"Wind River"
Geschrieben am 5. Februar 2018

Berlin (dpa) - Eine junge Frau rennt in der eisigen Wildnis von Wyoming schreiend durch die bitterkalte Nacht. Barfuß im Schnee, nur mit kurzer Daunenjacke und Thermo-Unterhose bekleidet, fällt sie hin.

Niemand hört sie in der von Bergen gesäumten lebensfeindlichen Natur, weit weg von jeder Siedlung und Aussicht auf Rettung. Die Traum-Winterlandschaft steht hier im starken Kontrast zur Verzweiflung - es wird nicht der einzige bleiben im Kino-Thriller «Wind River», dem zweiten Spielfilm von Taylor Sheridan, der bereits mit den Drehbüchern zu «Sicario» und «Hell or High Water» Erfolge feierte.

Das Werk spielt im Wind River Indian Reservation. Cory Lambert (Jeremy Renner), ein Jäger und Fallensteller, soll dort Vieh und Farmer vor wilden Tieren schützen. Er findet auf der Suche nach Pumas in der unwegsamen Gegend eine blutige Spur im Schnee und wenig später Natalie, festgefroren im Eis. Lambert kennt die 18-Jährige, deren Mund voller Blut ist und die vergewaltigt wurde. Sie war die beste Freundin seiner Tochter, die drei Jahre zuvor ebenfalls tot im Schnee gefunden wurde. Die unaufgeklärte Tragödie legt sich noch immer wie Blei auf Lamberts Brust und treibt ihm Tränen in die Augen.

Gemeinsam mit Reservatssheriff Ben (Graham Greene) wartet er im Ort auf das FBI. Die Bundespolizei aber schickt zur Enttäuschung der Männer eine unerfahrene Agentin aus dem Ausbildungskurs in Las Vegas. «Ich hatte den kürzesten Weg zum Tatort», entschuldigt sich Jane Banner (Elizabeth Olsen). Die Blondine aus dem Sunshine-State Florida muss sich erstmal Wintersachen borgen. In Thermo-Unterwäsche und einem Schneeanzug des Opfers bittet sie den mit der schroffen Gegend, Menschen und Sitten vertrauten Fährtenleser um Hilfe bei den Ermittlungen.

Nach und nach deckt das ungleiche Duo das Ausmaß dessen auf, was in der bitterkalten Nacht passierte. Die beiden erfahren, dass Natalie mit einem Weißen liiert war. Der Wachmann einer Bohrstation in der Nähe aber liegt totgeprügelt und entsorgt im Wald, eine Rückblende zeigt das Liebespaar - von zu Tieren mutierten Kollegen aus dem größten Glück in die schlimmste Hölle gerissen. Das Verbrechen an dem Paar schockiert ebenso wie die Brutalität des Lebens in der verlassenen Gegend und die Resignation der sozial und gesellschaftlich abgehängten Ureinwohner.

Regisseur Sheridan macht die Perspektiv- und Trostlosigkeit, Wut und Diskriminierung der Indianer deutlich. Der Film zeigt das harte Leben an unwirtlichem Ort, den Umgang mit Amerikas Ureinwohnern und die Gewalt an Frauen. Das Drehbuch haben die Stämme der Arapahoe und Schoschonen in dem Reservat gegengelesen, einige Bewohner sind Statisten in «Wind River».

In den Hauptrollen brillieren Renner («Misson Impossible», «The Bourne Legacy») und Olsen («Godzilla»), die auch für die Actionspektakel «Avengers» gemeinsam vor der Kamera stehen. Der Jäger, der sich zwischen Gerechtigkeit und Rache entscheiden muss, ist hier stark und zugleich verletzlich. Olsens Jane macht die unerträglichen Zustände, die Gewalt und den Schrecken, aber auch den Überlebenswillen erlebbar. Auch die Nebenrollen sind mit Graham Green («The Green Mile») und Julia Jones, die Leah Clearwater in der «Twilight»-Verfilmung, prominent besetzt.

«Wind River» setzt sich laut Sheridan mit der modernen amerikanischen Frontier, dem Grenzgebiet, auseinander. Der Film blicke auf Amerikas größtes Versagen, die Indianerreservate. Er fesselt mit der Schönheit des Ortes, schockiert mit der Gewalt und bewegt mit einer Katharsis am Ende der Geschichte. Der spannende Thriller mit Anleihen vom klassischen Western ist mehr als eine Mörderjagd: Landschaftsgemälde und Sozialstudie.

Wind River, USA 2016, 107 Min., FSK ab 16, von Taylor Sheridan mit Elizabeth Olsen, Jeremy Renner, Graham Greene, Julia Jones

Wind River


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