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71 Tote bei Flugzeugabsturz in Russland

Keine Überlebenden

Flugzeug
Geschrieben am 11. Februar 2018

Moskau (dpa) - Beim Absturz eines russischen Passagierflugzeugs mit 71 Menschen an Bord hat nach Angaben der Regierung niemand überlebt. Das sagte Verkehrsminister Maxim Sokolow in Moskau.

Die Maschine vom Typ An-148 der Fluggesellschaft Saratow Airlines sei vier Minuten nach dem Start vom Hauptstadt-Flughafen Domodedowo vom Radar verschwunden, teilte der Zivilschutz der Agentur Tass zufolge mit. An Bord der Maschine befanden sich 65 Passagiere und 6 Besatzungsmitglieder. Helfer fanden kurz nach Bekanntwerden des Unglücks Leichen- und Trümmerteile.

Der Aufprall muss heftig gewesen sein. Das Staatsfernsehen zeigte wackelige Bilder von kleinen und großen Trümmerteilen. Einige waren weiß, andere gelb. Sie lagen über weite Strecken im tiefen Schnee auf einer Ebene verteilt. Die Umgebung sei unbewohnt, hieß es. «Das Flugzeug muss aus großer Höhe abgestürzt sein», kommentierte ein Nachrichtensprecher die Bilder, die der Sender zugespielt bekommen hatte.

Das Unglück ereignete sich im Bezirk Ramenskoje südöstlich von Moskau. Als mögliche Gründe für den Absturz nannten Ermittler zunächst menschliches Versagen oder schwierige Wetterbedingungen. Mehr als 300 Helfer des Zivilschutzes und der Nationalgarde waren am Absturzort im Einsatz. Das Gelände wurde über mehrere Kilometer abgesperrt. Die Suche sollte die ganze Nacht andauern. Ein Flugschreiber wurde am Sonntagnachmittag gefunden.

Das Flugzeug war unterwegs in die Stadt Orsk nahe der Grenze zu Kasachstan und 1500 Kilometer von Moskau entfernt. Die meisten Fluggäste seien Bewohner des Gebietes Orenburg, zu dem Orsk mit rund 230 000 Einwohnern gehört. An Bord waren Berichten zufolge aber auch drei Kinder und drei Ausländer, darunter nach Angaben einer Sprecherin der Stadt Orsk ein Schweizer. Dies konnte zunächst nicht verifiziert werden, die Botschaft der Schweiz in Moskau war am Sonntagnachmittag nicht telefonisch erreichbar.

Präsident Wladimir Putin sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Er wies die Regierung an, eine Untersuchungskommission einzusetzen. Die Ermittlungsbehörde und die Staatsanwaltschaft gingen möglichen Verstößen gegen die Flugsicherheitsvorschriften nach.

Auch die Bundesregierung in Berlin drückte den Angehörigen ihr Mitgefühl aus. «Erschüttert über die schrecklichen Nachrichten vom Flugzeugabsturz in der Nähe von Moskau. Wir trauern mit den Menschen in Russland um die Opfer der Katastrophe», schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert bei Twitter.

Die relativ kleine Fluggesellschaft Saratow Airlines wurde der Agentur Tass zufolge 1994 gegründet. Sie bietet nationale und internationale Flüge an. Auch die Airline werde überprüft, hieß es.

Das Flugzeug sei acht Jahre alt gewesen, Saratow Airlines habe es 2017 von der Billigairline Rossija übernommen, berichtete Tass. Die An-148 kann bis zu 85 Menschen befördern und hat eine Reichweite von rund 4000 Kilometern. Sie ist eine zweistrahlige Maschine für Regionalflüge und wird vom ukrainischen Hersteller Antonow gebaut.

Berichten zufolge war dies das zweite Unglück mit diesem Flugzeugtyp. 2011 war eine An-148 mit sechs Menschen an Bord bei einem Testflug im westrussischen Gebiet Belgorod abgestürzt. Damals waren die Piloten Ermittlungen zufolge zu schnell geflogen und hatten die Kontrolle verloren.

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Flugsicherheit in Russland: Insgesamt gab es seit 2010 Tass zufolge zehn schwere Unglücke ziviler Verkehrsmaschinen mit zusammen mehr als 420 Todesopfern. Der letzte Absturz ereignete sich im März 2016. Damals stürzte eine Boeing 737-800 aus Dubai bei Sturm auf den Flughafen der Millionenstadt Rostow am Don. Die Maschine des Billigfliegers FlyDubai zerschellte in einem Feuerball. Alle 62 Menschen an Bord starben.

Zweieinhalb Jahre zuvor war eine Boeing 737-500 beim Anflug auf die russische Stadt Kasan hart auf der Landebahn aufgeschlagen und in Flammen aufgegangen. Es gab keine Überlebenden, 50 Menschen starben.

Mitteilung Saratow Airlines

Mitteilung Ermittlungsbehörde

Mitteilung Seibert

Passagierliste vom Zivilschutz


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