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Mercedes nur «dritte Kraft» - Kritik an Crash-Kid Verstappen

Formel 1 in China

Weltmeister
Geschrieben am 16. April 2018

Shanghai (dpa) - Vom Crash zwischen WM-Spitzenreiter Sebastian Vettel und Hitzkopf Max Verstappen blieb Lewis Hamilton immerhin verschont.

Nachdenklich und frustriert saß der Formel-1-Weltmeister nach seinem enttäuschenden vierten Platz beim Großen Preis von China dennoch im Mercedes-Büro im Fahrerlager in Shanghai. Hamilton sollte erklären, warum es bei ihm und seinem Team in dieser noch jungen Saison nicht laufen will. Doch statt Antworten lieferte er das Gesicht zur Krise.

«Ich hatte nicht die Geschwindigkeit, die ich normalerweise habe», beschrieb der 33-Jährige mit leiser Stimme das, was ohnehin alle gesehen hatten. Phasenweise fühlte sich Hamilton sogar wie «im Niemandsland». Antworten auf die Mercedes-Probleme hatte er nicht.

Dabei liegt Hamilton nach drei von 21 Rennen hinter dem WM-Führenden und zweimaligen Saisonsieger Sebastian Vettel (54 Punkte) nur neun Punkte zurück - der Ferrari-Star war in Shanghai lediglich Achter geworden. In der Konstrukteurs-Wertung führen die Silberpfeile sogar. Dennoch scheinen das Team und ihr Chefpilot im Krisenmodus zu sein.

Hamilton, dessen neuer Multi-Millionen-Vertrag noch immer nicht verkündet wurde, wirkt derzeit unzufrieden mit sich und der PS-Welt. Immerhin konnte er die von Verstappen verschuldete Kollision mit Vettel in der Schlussphase des Rennens unbeschadet umkurven. Sein vierter Rang im China-Grand-Prix, den er schon fünfmal gewann, war nicht mehr als Schadensbegrenzung.

«Er ist meiner Meinung nach der beste Fahrer, aber auch die besten haben Tage, an denen es einfach nicht 100 Prozent läuft», meinte Teamchef Toto Wolff. «Wie das Auto war er an diesem Wochenende vielleicht nicht obenauf.»

Vettel raubte ein schlecht getimter Boxenstopp und vor allem ein Crash mit Verstappen einen Podestplatz. Trotz seiner frühen Abbitte erntete der oft uneinsichtige Youngster viel Kritik. «Wenn man schon länger fährt, sollte man gescheiter fahren», klagte Niki Lauda, Mercedes-Teamaufsichtsrat.

Der «Corriere della Sera» in Italien empfahl dem ungestümen Verstappen: «Der Junge braucht Kamillentee in seiner Wasserflasche.» Mit seinem überzogenen Manöver habe er den Traum Vettels vom dritten Sieg am Stück «in tausend Stücke gerissen».

Sorgen hat auch Mercedes genug. Drei Rennen sind schon gefahren, und der Branchenprimus der letzten vier Jahre steht noch ohne Sieg da. Vettel und Ferrari haben offensichtlich ein Auto gebaut, dass sich auf allen Strecken zurechtfindet. In China rauschten nun auch noch die Red Bulls mit Sieger Daniel Ricciardo an. «Wir waren nur dritte Kraft», meinte Wolff trotz des zweiten Platzes des Silberpfeil-Finnen Valtteri Bottas vor Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen.

Das Team hat bei der Suche nach der verlorenen Pace die Reifen als Ursache ausgemacht. Für Wolff ist das «die neverending Story», dass Mercedes die Reifen nicht dauerhaft auf Betriebstemperatur bekommt. Und der Österreicher tat das, was alle tun: appellieren. «Wir müssen jetzt ruhig bleiben, die Köpfe zusammenstecken und die Probleme lösen. In der Formel 1 gibt es keine raschen Lösungen.»

Doch die sollten schon bald kommen. Allein schon wegen Hamilton. In zwei Wochen steht schon das Rennen in Baku an. Ein schnelleres Auto hebt sicher die Laune des Vierfach-Champions. Er sieht aber auch sich selbst in der Verantwortung: «Ich muss zu meiner normalen Leistungsstärke zurückfinden, bevor wir noch mehr wertvolle Punkte verlieren.»


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